Warum ist der Plenarsaal so leer?

Leerer Plenarsaal = kein Interesse?

Warum ist der Plenarsaal so leer?

„Das Thema interessiert ja keinen. Es hört mal wieder niemand zu. Wofür werden die Herrschaften eigentlich bezahlt. Die vielen freien Plätze sagen ganz deutlich, wie ernst wir Pflegekräfte genommen werden!“

Das waren nur einige Reaktionen, als ich meine Bundestagsreden zum Thema Pflege ins Netz gestellt habe. Und es stimmt: Die Pflege ist oft ein Stiefkind der öffentlichen Aufmerksamkeit.  Aber in diesem Fall möchte ich den Eindruck nicht so stehen lassen. Die Tatsache, dass nachmittags oft wenige Abgeordnete im Plenum sitzen, hängt nicht mit mangelndem Interesse zusammen, sondern mit der Arbeitsteilung im Parlament.

Die eigentliche Arbeit geschieht hinter den Kulissen. Entscheidungen, die im Plenum getroffen werden, werden zuvor in Arbeitskreisen, Fraktions- und Ausschusssitzungen oder Anhörungen sorgfältig vorbereitet und diskutiert. Dazu gehören in meinem Fall Beratungen im Gesundheitsausschuss, in dem sich die Gesundheits- und Pflegepolitikerinnen und Politiker aller Fraktionen mit anstehenden Entscheidungen befassen.

Häufig finden parallel zu den Plenardebatten Fachkonferenzen, öffentliche Veranstaltungen und Beratungstermine statt, in denen die Abgeordneten ihre Entscheidungen erläutern und Rede und Antwort stehen. Außer in den Kerndebattenzeiten, wenn die großen Gesetze in letzter Beratung beschlossen werden, kommen daher zu vielen Debatten häufig nur die Fachleute der Fraktionen im Plenarsaal zusammen.

Was im Plenum diskutiert wird, ist Ergebnis der eigentlichen Arbeit.

 

Außerdem geht es in den Sitzungswochen eben auch darum, an Gesetzen, Positionspapieren, Anträgen oder Vorträgen zu arbeiten, sich einzulesen in Neues, die Presse zu verfolgen, Besucherinnen und Besucher aus dem Wahlkreis zu empfangen,  Gespräche mit Fachleuten zu führen und vieles mehr. All das wird eben nicht in den Medien gezeigt und ist auch nicht medienwirksam. Man stelle sich aber einmal vor, alle Abgeordneten würden den ganzen Tag lang im Plenum bei allen Themen zuhören. Dann würden sie den Aufgaben, für die sie gewählt und bezahlt werden, genau nicht nachkommen.

Das Plenum, die öffentliche Rede, ist quasi das Schaufenster, in dem für alle sichtbar Haltungen und Überzeugungen darstellt werden.  Die in monatelanger Vorbereitung getroffenen Entscheidungen werden hier erläutert, Argumente und Positionen dargelegt – damit sich jede und jeder ein eigenes Bild machen kann. Der Anblick des leeren Sitzungssaals täuscht also: Es gibt für Abgeordnete einfach noch viel zu tun neben den Plenumssitzungen.

Mehr darüber, was hinter den Kulissen des Bundestags passiert, erfahren Sie in meinem Podcast-Interview mit unserer Parlamentarischen Geschäftsführerin Britta Haßelmann MdB direkt aus erster Hand. Sie bereitet Sitzungswochen vor und sorgt dafür, dass jede und jeder Abgeordnete und jedes Thema zu seinem Recht kommt.

Und für Fragen zu meiner Arbeit bin ich natürlich jederzeit offen.

Ihre

 

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