Lasst uns reden!

Seelsorge im Alltag

Lasst uns reden!

„Welche Seelsorge braucht das Land?“ Anlässlich eines Symposiums der evangelischen Kirche in Erfurt war ich aufgefordert, mir zu dieser Frage  Gedanken zu machen. Als Pflegepolitikerin stand für mich dabei nicht die kirchliche Seelsorge im Vordergrund. Seelsorge hat heute viele Gesichter. Sie findet dort statt, wo Menschen aussprechen können, was ihre Seele belastet. Das kann beim Hausarzt, im Hospiz, manchmal mitten im Alltag sein. Seelsorge ist eben auch, wenn sich die Verkäuferin beim Bäcker noch kurz vor Ladenschluss Zeit nimmt für eine ältere Kundin, die das Gespräch sucht.

Gerade im Alter fehlt oft jemand zum Reden. Das Nichtmehrreden wird zum Rückzug aus dem Leben. Keine noch so engagierte Pflegerin eines ambulanten Dienstes kann das auffangen, wenn sie von Zeitdruck getrieben keinen Augenblick hat für ein Gespräch oder einen Spaziergang. Dabei ist es das, was Menschen erhoffen, wenn sie einsam sind. Was wir brauchen, wenn wir seelisch am Abgrund stehen. Wir hoffen auf jemanden, der zuhört.

Fallpauschalen, Minutenpflege, Fachkräftemangel – sie bestimmen oft den Alltag im Pflegeheim oder im Krankenhaus. Daran hat auch das Pflegestärkungsgesetz II nichts geändert. Eine weitere Röntgenaufnahme geht immer. Aber einfach die Hand des Patienten zu nehmen, mit ihm zu sprechen, diese Zeit fehlt.

Dabei macht gerade das Angst: nicht mehr gehört zu werden. Es macht uns Angst, zum „Fall“ degradiert zu werden. Es macht mir Angst, nicht mehr als fühlend, denkend, als Seele wahrgenommen zu werden. Wir können das nur ändern, wenn wir den ganzen Menschen sehen, ihm zuhören, ihn darin unterstützen selbst zu tun was er noch kann, auch wenn die Hände zittern.

Gerade führe ich eine Umfrage durch zum Thema „Was beschäftigt Pflegekräfte?“ Rund 3.000 Antworten sind bereits eingegangen. Ein Zwischenergebnis zeigt: 85 Prozent der Pflegekräfte sind stolz auf ihren Beruf. Zugleich kritisieren sie, es fehle die Zeit für den Menschen. Denn, wie eine Pflegerin treffend schreibt: „Jeder Bewohner ist anders und kann nicht nach Minuten abgerechnet werden“.

Ihre

Elisabeth Scharfenberg

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