Na, geschafft?

Tschakka!

Na, geschafft?

Dieser Tage war ich bei einer Ärztin zu einer lange schon überfälligen Vorsorgeuntersuchung. Bei der Begrüßung gab sie mir die Hand und sagte: „Na, haben Sie es geschafft?“ Mein Antwort darauf war: „Was meinen Sie denn genau?“

Ich habe in dem Jahr, in dem wir uns nicht gesehen haben, viel geschafft. Zum einen bin ich seit Januar 2017 stolze Trägerin einer Titanhüfte, einer TEP. Davon aber zu einem andern Zeitpunkt mehr. Es war schon eine spannende Erfahrung,  als  – zum damaligen Zeitpunkt – aktive Pflegepolitikerin selbst gepflegt zu werden. Dann veränderte sich mein Status „Mutter“ im März zur „Großmutter“. Zu meinen vier Töchtern nun auch noch eine Enkeltochter. Da kann ich nur sagen: Tschakka – geschafft! Diese „neue“ Frau Scharfenberg bereichert unsere frauendominierte Familie und unser Leben überhaupt ungemein. Großmutter sein – das ist ein ganz neues Terrain für mich. Ich rücke in die nächste Generation auf. Großmutter sein – in meiner Kindheit war das: weißes Haar, Dutt und eine Kittelschürze. Davon bin ich gefühlt so weit entfernt wie… die Pflege von einer wirklich grundlegenden Reform.

Und damit komme ich dahin, wonach meine Ärztin eigentlich fragte. Die komplette, unausgesprochene Frage lautete: „Na, haben Sie es geschafft, den Ausstieg aus dem Bundestag?“ Seit Oktober 2017 bin ich ja MdB und pflegepolitische Sprecherin a. D. Meine Antwort lautet ganz eindeutig: Ja, Frau Doktor, ganz wunderbar sogar! Schließlich konnte ich mich lange genug mit dem Gedanken auseinandersetzen. Und schließlich habe ich mich für den Ausstieg selbst entschieden. Immer mehr merke ich, dass es die richtige Entscheidung war.

Die Freiheit der eigenen Entscheidung

 

„Dass Du Dich das traust, einfach nicht mehr zu  kandidieren!“ – „Ich wüsste gar nicht, was ich sonst machen sollte!“ –  „Die hat bestimmt Krebs, sonst gibt man so was doch nicht auf! Das erklärt auch endlich ihre kurzen Haare!“…So oder so ähnlich wurde mein Ausstieg aus der Bundespolitik damals manchmal kommentiert. Natürlich hat diese Entscheidung mein Leben – und das gemeinsame Leben mit meinem Mann – total verändert. Aber genau so war es ja auch gemeint. Und das habe ich, das haben wir, ganz wunderbar geschafft. Ich bin frei in meinem Handeln und Denken, wobei ich natürlich eine Grüne bis auf die Unterwolle bin und bleibe. Aber es ist schon etwas anderes, als „Privatperson“ auf einer Podiumsdiskussion zu sitzen und nicht als Vertreterin der grünen Bundestagsfraktion. Und natürlich bin ich auch noch im Namen der Pflege unterwegs. Anders nun. Aber für mich ungemein stimmig.

Ich tauche tief in die Pflegepraxis ein, bin auf Kongressen und Veranstaltungen, halte Impulsvorträge oder moderiere. Ich schreibe meinen Blog, liebe meinen Podcast und die Interviews dafür und darf seit Februar auf meinem Regionalsender extra radio in der Rubik „Fit in jedem Alter“ wöchentlich 2-mal Tipps zu Gesundheit und Pflege geben. All das macht mir unendlich viel Freude. Im Juni findet zum zweiten Mal unser Aktivcamp Pflege statt – eine ungemein inspirierende Veranstaltung mit Menschen, die Veränderungen in der Pflege anstoßen wollen.

Wie sieht Pflege in 20 Jahren aus?

 

Ich genieße es, aktiv zu handeln. In meinen persönlichen Einflussbereichen habe ich also wirklich viel geschafft. Was leider immer noch nicht geschafft ist, das ist die Mammutaufgabe „Pflegereform“. Hier gibt es viele EntscheiderInnen. Ich begleite das Thema nun quasi als APO, als außerparlamentarische Opposition, wobei hier doch eigentlich alle an einem Strang ziehen (sollten). Unfassbar – es gibt doch so viele Ideen! Aber es müssten auch endlich mal klare und richtige Entscheidungen getroffen werden, anstatt den letzten Koalitionsvertrag in neuen Formulierungen zu wiederholen. Denn jetzt ist ja klar – wir haben sie wieder, die GroKo. Und was die letzten 4 Jahre nicht wichtig genug für eine Umsetzung war, wird nun so hingestellt, als hätten Union und SPD aus der Opposition heraus die neue Regierung übernommen. So nach dem Motto: neue Besen kehren gut. Wir haben es hier aber nicht mit etwas Neuem zu tun – im Gegenteil. Nur um der Macht willen zu koalieren und zu regieren, das ist nicht genug.

Wenn meine Enkeltochter 20 Jahre alt ist, dann bin ich 74. Auch ihre Generation wird uns Babyboomer pflegen.

Und genau darum sind wir der „neuen“ Frau Scharfenberg und all ihren GenerationsgenossInnen schuldig, das Thema Pflege JETZT anzupacken. Es ist echt genug Zeit verschwätzt worden. Und ja, einer Veränderung gehen immer Entscheidungen und daraus folgende Handlungen voraus. Das erfordert Mut – und es wäre fatal für uns alle, wenn die Antwort der GroKo auf die Frage „Na, geschafft?“ schlicht „Nein!“ lauten würde.

Eure

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